Amputation der Füße ist häufig vermeidbar!

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Aug 272016
 

Diabetes: Amputation der Füße ist häufig vermeidbar

50.000 Fußamputationen bei Diabetikern pro Jahr sind aus Expertensicht zu viel – auch im internationalen Vergleich. Das sagte heute Professor Ralf Lobmann von der Arbeitsgemeinschaft Diabetischer Fuß in der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) in Berlin. Viele Fußamputationen seien vermeidbar. Zur Senkung der Zahlen müsse ein verpflichtendes Verfahren eingeführt werden, bei dem eine Zweitmeinung eingeholt wird.

Ursache für das Amputieren sei, dass viele Menschen mit schlecht heilenden Wunden erst nach drei Monaten oder später in eines der Spezialzentren kämen. Dort lasse sich die OP häufiger abwenden. Es gebe aber auch finanzielle Fehlanreize: Während eine Amputation «auskömmlich finanziert» sei, werde der aufwendigere Erhalt des Fußes nicht ausreichend gut vergütet. DDG-Präsident Baptist Gallwitz sprach sich für Bonuszahlungen aus, wenn Füße gerettet werden.

Häufigster Grund für Amputationen ist den Angaben zufolge das diabetische Fußsyndrom, eine Komplikation, an der pro Jahr 250.000 Menschen erkranken. Der erhöhte Blutzucker bei Diabetikern kann zu Nervenschäden führen, sodass selbst kleinste Verletzungen nicht rechtzeitig wahrgenommen werden und chronische Wunden entstehen. Die Heilung ist bei Diabetes ebenfalls beeinträchtigt.

Warum Wunden bei Diabetikern schlechter heilen

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Medizin

Warum Wunden bei Diabetikern schlechter heilen

Dienstag, 16. Juni 2015

dpa

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Boston – Ein Abwehrmechanismus, der normalerweise Krankheitserreger beseitigt, stört bei Diabetikern offenbar die Wundheilung.Dies geht aus tierexperimentellen Studien in Nature Medicine (2015; doi:10.1038/nm.3887) hervor, die Ansatzpunkte für eine verbesserte Behandlung von Wundheilungsstörungen bei Diabetikern bieten.

Neutrophile Granulozyten gehören zur vordersten Front der Immunabwehr gegen Krankheitserreger. Die Zellen können Krankheitserreger „fressen“ (Phagozytose). Sie können aber auch Netze auswerfen, um die Bakterien zu fangen. Diese „neutrophil extracellular traps“ (NET), die erst vor einigen Jahren entdeckt wurden, bestehen aus der DNA der Granulozyten. Sie bilden inder Wunde ein feines Netzwerk, in denen sich Bakterien verfangen, Diese werden dann im NET von Histon-Proteinen abgetötet und von Proteasen in Einzelteilezerlegt.

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Doch die Abwehrstrategie NET ist für den Körper nicht ungefährlich. NET geht mit allgemeinen Entzündungsreaktionen einher, die nach Einschätzung von Denisa Wagner vom Boston Children’s Hospital das Risiko von Herzinfarkten und Venenthrombosen erhöhen, Erkrankungen, an denen Diabetikerhäufiger als andere Menschen leiden.

Die Forscherin kann in Labor Experimenten zeigen, dass sich die neutrophilen Granulozyten von Patienten mit Typ 1 und Typ 2-Diabetesleichter als bei anderen Menschen zur Bildung von NET aktivieren lassen. Dabei kommt es zu einem Anstieg des Enzyms PAD4, das in den Granulozyten die Bildung von NET fördert.

Tierexperimentelle Studien bestätigen diese Beobachtung. Diabetische Mäuse bildeten in Wunden mehr NET als Mäuse mit normalem Blutzucker. Die Wundheilung war dann beeinträchtigt. Fehlte den Mäusen das Gen für PAD4, dann ging ein Diabetes nicht mit einem Anstieg der NET einher, und –was entscheidend ist – die Wundheilung war nicht behindert.

zum Thema

•    Abstractder Studie in Nature

•    Pressemitteilung des Boston Children’s Hospital

Aus der Studie ergeben sich gleich zwei mögliche Therapieansätze. Zum einen könnte versucht werden, die Wundheilung durch Enzyme zu fördern, die die NET-Bildung behindern. Bei den Versuchstieren gelang dies durch eine intravenöse oder intraperitoneale Behandlung mit Dornase alfa.

Das Enzym, das DNA auflöst, beschleunigte die Wundheilung der diabetischen Mäuse. Nach drei Tagen waren die Wunden um 20 Prozent kleiner als bei unbehandelten Versuchstieren. Ob die Behandlung effektiv wäre, wenn sie– wie in der therapeutischen Situation – erst nach der Wundentstehung begonnen wird, ist unklar. Ebenso fehlen Ergebnisse zu einer lokalen Wundbehandlung.

Die Studie könnte jedoch klinische Studien zu dieser Frageanregen, zumal Dornase alfa als Medikament zur Behandlung der Mukoviszidose zugelassen ist und deshalb keine weiteren tierexperimentellen Sicherheitstests mehr durchgeführt werden müssten. Der zweite Ansatz, der noch entwickelt werden müsste, wäre ein Wirkstoff, der das Enzym PAD4 ausschaltet. Zu den Nebenwirkungen der beiden Therapien könnte ein erhöhtes Infektionsrisikogehören, da mit den NET ein wichtiger Abwehrmechanismus gegen Krankheitserregerausgeschaltet würde. Bei einer lokalen Anwendung könnte das Risiko kalkulierbar sein.

© rme/aerzteblatt.de